Norbert Bayer | 白宁瑞

Fabrizio Bianchi: Modern Mosaics

MODERN MOSAICS
www.modernmosaics.net

von Fabrizio Bianchi
(2005)


Screenshot www.modernmosaics.net

In seinem neuesten Kunstprojekt geht Norbert Bayer der Frage nach, wie sich Zeit und Raum in unserem ganz persönlichen Alltag manifestieren.

Ein Klick auf die Website www.ModernMosaics.net offenbart auf den ersten Blick einen scheinbar zufällig zusammengewürfelten Kosmos aus Mustern: florale und geometrische, simple und komplexe, farbige und schwarz-weiße. Doch neben jedem Muster steht eine beigefügte kleine Landkarte, auf der mit einem Punkt ein spezifischer Ort bezeichnet ist: es ist der Ort, an dem sich das Orginal zum Muster befindet. Dort materialisiert es sich als physisches Objekt, d.h. als fest verankertes Terracotta- oder Glasmosaik.

Bayers Recherche in Abhandlungen und persönlichen Reiseberichten förderte Muster zutage, die nur selten fotografiert werden und wenn meist nur am Rande, da sich das Interesse der Kunstwissenschaft und der Reisenden nur auf die ins Auge springenden Genreszenen und Personen darstellenden Motive zu stürzen scheint. Das flächige Dekor, das den Rahmen bildet und zurückgenommen im Hintergrund bleibt, wird in den Untersuchungen und Abbildungen zumeist ausgeblendet.

Die entstandenen Entwürfe sind Variationen dieser Mosaike, ohne aber deren Charakter zu verraten. Der Bildschirmoberfläche entsprechend sind sie aufgepixelt und zwar nicht nur aus technischen Gründen. Die Rasterung wird sogar noch betont: durch die Fläche jedes Mosaikpunktes von 2 x 2 Pixeln wird die Darstellung absichtlich vergröbert. So wird in zweifacher Hinsicht darauf angespielt, daß es sich bei den Originalen ebenfalls um durch kleine und kleinste Steinchen aufgerasterte Vorlagen handelt.

Bayer bietet diese Muster für den Besucher als Modern Mosaic zum Download an, so daß sich jeder das aktuelle Muster als Bildschirmhintergrund laden kann. Damit werden durch die Überführung in eine Pixelzeichnung und die Distribution auf der Website die Mosaike nach jahrhundertelanger Beschränktheit auf einen Ort endlich überall verfügbar gemacht.
Von ihrer materiellen Last und vom festgelegten Ort befreit können sie nun als virtuelles Bild jeden beliebigen Rechner zieren.
Dieser ist heutzutage, wie die Villen oder Kirchen, in denen sich diese Muster ursprünglich befinden, das Statussymbol Nummer Eins; der virtuelle Raum wird von vielen dem konkreten Raum als Kommunikations- und Kontemplationsort oft vorgezogen und genauso personalisiert und dekoriert.

Die teils sehr ausladenden Muster laufen nicht über den ganzen Bildschrirm, sondern sie werden gebrochen und durch farbige Flächen abgesetzt. Dadurch entsteht ein räumlicher Effekt, Ecken und Kanten eines Raumes werden sichtbar.
So werden die Bildschirmhintergründe erst alltagstauglich: die Ordner können auf der Bildschirmoberfläche analog zum realen in einem dargestellten Raum angeordnet werden.

Es gibt für jeden Monat des Jahres 2005 ein Modern Mosaic zum Download. Wer sich Monat für Monat das aktuelle herunterlädt oder per E-mail zuschicken läßt, kann sich so auf einer abwechslungsreichen Reise durch die jahrhundertelange musivische Tradition Europas von den Hintergründen inspirieren lassen. Bayer führt so das Mosaik wieder auf seine ursprüngliche etymologische Herkunft zurück, die aus dem griechischen stammt und “den Musen geweiht” bedeutet.




weitere Informationen über Norbert Bayer in deutsch:

Einführung

Nadja Smeralda:
Permettez!

Dr. Christoph Bieber:
Press Pixel to Play

Prof. Dr. Ursula Panhans-Bühler:
Rohes oder Gekochtes: der pixel turn des Mr. Ministeck

Dominique Busch:
Minimania